Herbst

SCHUSSZEIT

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SCHUSSZEIT Ein Värmland-Krimi Askeviken, im Oktober Askeviken liegt am Ende einer Straße, die in Karlstad anfängt und achtzig Kilometer später aufhört, weiter zu wollen. Ein See, ein Sägewerk, gut hundert Menschen und ein Wald, der größer ist als alles zusammen. Wer hier wohnt, kennt das Jahr nicht aus dem Kalender, sondern aus dem, was zu tun ist: Im Winter hält das Eis oder hält nicht. Im Frühjahr geht der Schnee und gibt zurück, was er genommen hat. Im Sommer zieht sich der See zurück und zeigt, was er gehalten hat. Und am zweiten Montag im Oktober beginnt die Jagd. Schusszeit heißt die Zeit, in der geschossen werden darf. Sie steht in Tabellen, mit Datum und Wildart, und sie endet, wie sie beginnt: an einem festgesetzten Tag. Was dazwischen liegt, ist geregelt, seit Generationen, mit Ständen, die Namen tragen, und mit Sätzen, die jeder kennt. Wer sieht, meldet. Wer schießt, meldet. Wer nicht sicher ist, schießt nicht. In diesem Herbst gehen elf Menschen in den Wald. Einer von ihnen ist neu. Er hat ein Haus geerbt und eine Säge, und die Sprache, in der dieser Ort schweigt, lernt er noch. Um fünf Uhr früh ist der Wald eine Wand: kein Stamm zu erkennen, keine Tiefe, nur Schwarz, das erst am Himmel endet. Man geht trotzdem hinein. Kapitel 1 — Der erste Tag Um fünf Uhr stand der Wald noch als Wand, und davor warteten elf Menschen und drei Hunde, und keiner sprach. Es war der Morgen, an dem in diesem Land seit hundert Jahren die Jagd begann, der zweite Montag im Oktober, und in Askeviken hatte man sich dafür seit hundert Jahren an derselben Stelle getroffen: am Ende des Waldwegs, wo die Schranke stand, die niemand mehr abschloss. Die Fahrzeuge parkten in einer Reihe am Rand, mit den Ladeflächen zum Wald. Aus den Thermoskannen kam Dampf, der im Licht der Stirnlampen hing und dann verschwand. Lund kam als Letzter, weil er die Wache abgeschlossen und Norr in den Wagen gehoben hatte, obwohl der Hund nicht mitkommen würde. Norr war zu alt für die Jagd. Er war es seit zwei Jahren, und Lund nahm ihn trotzdem mit bis zur Schranke, weil ein Hund, der zwölf Jahre lang am zweiten Montag im Oktober um fünf aufgestanden ist, nicht versteht, warum er im Haus bleiben soll. Er blieb im Wagen, auf der Decke, mit dem Kopf zwischen den Sitzen, und sah zu. Bertil hatte die Karte auf der Motorhaube ausgebreitet und mit vier Steinen beschwert. Er war seit neunzehn Jahren Jagdleiter, und er machte es wie jedes Jahr: Er nannte die Stände, einen nach dem anderen, und zu jedem Stand einen Namen, und der Genannte nickte, und keiner fragte. Nordhang eins, Per-Olof. Nordhang zwei, Sundqvist. Der Pass am Bach, Lund. Die Senke, der Junge. Der Junge hieß Ville und war sechzehn, und es war sein erstes Jahr mit einem eigenen Stand. Er stand ein Stück abseits, mit dem Gewehr in der Beuge, wie man es ihm beigebracht hatte, und er sah auf die Karte, obwohl er sie von dort nicht lesen konnte. „Wetter”, sagte Bertil. Petersen, der die App hatte, sagte, dass es bis Mittag halten würde und danach nicht mehr. Ein Tief aus Norwegen. Wind aus West, auffrischend, gegen Abend Sturm. „Dann sind wir um zwei draußen”, sagte Bertil. „Wer um zwei nicht am Sammelplatz ist, den holen wir. Wer um drei nicht da ist, den suchen wir.” Er sah in die Runde. „Ich will keinen im Wald haben, wenn die Fichten gehen.” Niemand sagte etwas. Man kannte den Satz. Man kannte auch das erste Novemberwochenende vor sechs Jahren, an dem das Sturmholz am Nordhang einen Mann genommen hatte, und man sprach nicht davon, weil man an diesem Morgen nicht davon sprach. Rost stand hinter der Gruppe, am Wagen, in einer Jacke, die ihr zu groß war, weil sie nicht ihre war. Sie war nicht zur Jagd gekommen. Sie war gekommen, weil Bertil sie am Vortag gefragt hatte, ob sie den Sammelplatz sehen wolle, und weil Lund gesagt hatte, sie solle ja sagen, ohne zu erklären, warum. Sie hatte ja gesagt. Sie stand jetzt um fünf Uhr morgens in einem Wald, in dem elf Menschen Gewehre trugen und keiner sie ansah, und sie stellte fest, dass sie nach zwei Wintern und einem Sommer in diesem Ort zum ersten Mal an einem Ort war, an dem sie nichts zu tun hatte. Es war ungewohnt. Es war nicht unangenehm. Bertil nahm die Steine herunter und faltete die Karte zusammen. „Funk auf drei”, sagte er. „Wer sieht, meldet. Wer schießt, meldet. Wer nicht sicher ist, schießt nicht.” Er sah zu Ville. „Das gilt für alle. Für dich gilt es zweimal.” Ville nickte. Die Gruppe löste sich auf, ohne dass jemand es angesagt hätte. Die Schützen gingen in den Wald, jeder in seine Richtung, in Abständen, die sich über Jahre ergeben hatten, und die Hunde zogen an den Leinen, und nach zwei Minuten war am Sammelplatz niemand mehr außer Rost und dem alten Hund im Wagen. Sie hörte die Schritte im Laub, bis sie nicht mehr zu hören waren. Dann war es still, auf die Art, die sie inzwischen kannte: nicht die Stille, in der nichts ist, sondern die, in der alles wartet. Über dem Nordhang kam das Licht, grau, ohne Sonne. Der Wind ging noch nicht. Sie sah auf die Uhr. Es war zwanzig nach fünf. Um zwanzig nach zwei würde Bertil den Funk aufdrehen und die Stände abfragen, einen nach dem anderen, und alle würden antworten. Bis auf einen. Kapitel 2 — Die Abfrage Der Wind kam kurz nach halb zwei, und er kam so, wie Petersen es am Morgen vorgelesen hatte: zuerst als Rauschen hoch oben in den Kronen, das nicht wieder aufhörte, dann als Zug über den Parkstreifen, der eine leere Thermoskanne von der Ladefläche warf. Über dem Nordhang hingen die Wolken jetzt tief und bleifarben, und sie zogen schnell. Rost saß auf der Heckklappe von Lunds Wagen und sah es kommen. Sie hatte den Tag am Sammelplatz verbracht, länger, als sie vorgehabt hatte. Am Mittag war sie mit Norr zum See gegangen und zurück. Der Hund hatte an jedem dritten Baum die Nase ins Laub geschoben; aus zwanzig Minuten Weg waren fünfzig geworden. Danach hatte er auf der Decke geschlafen. Jetzt schlief er nicht mehr. Er lag mit dem Kopf zwischen den Sitzen und hatte die Ohren aufgestellt, in Richtung des Waldes, lange bevor dort etwas zu hören war. Der Erste kam um zehn vor zwei aus dem Wald. Per-Olof, das Gewehr über der Schulter, den Hut in der Hand. Er hatte es nicht eilig. Er lehnte das Gewehr an seine Ladefläche, entlud es, ohne hinzusehen, und legte die Patronen einzeln in eine Blechdose, die dafür im Radkasten stand. Danach kamen sie in Abständen, wie sie am Morgen gegangen waren. Zwei Hundeführer mit den Hunden, die noch zogen. Sundqvist, der im Gehen den Riemen kürzer schnallte. Ville kam als Sechster, allein, und Rost sah ihm an, dass er den ganzen Weg über die Haltung des Gewehrs nachgedacht hatte; er trug es exakt so in der Beuge wie am Morgen, nur die Schultern trug er anders. Er stellte sich an das Ende der Wagenreihe und sah in den Wald zurück, aus dem er gekommen war. Sie zählte, ohne es zu wollen. Sieben. Dann neun. Leitner kam als Zehnter, neben Petersen. Der Deutsche. Sie kannte ihn, auf die Art, wie in diesem Ort jeder jeden kannte, und ein Stück darüber hinaus: der Sohn der Toten vom Frühjahr, der Mann, der im Juni gekommen war und dann nicht wieder abgereist. Er hob die Hand zwei Zentimeter, als er sie sah. Sie hob ihre ebenso weit. Mehr war zwischen ihnen nie verabredet worden, und es hatte bis jetzt gereicht. Bertil kam als Letzter aus dem Wald. Er breitete die Karte wieder auf der Motorhaube aus. Der Wind griff sofort hinein, und die vier Steine lagen wieder auf den vier Ecken, ehe das Papier zum zweiten Mal schlagen konnte. Bertil sah auf die Uhr, dann auf die Wagenreihe, und Rost sah, dass er dabei dasselbe tat wie sie: Er zählte. Um zwanzig nach zwei drehte er den Funk auf. „Norra ett, kom.” „Norra ett här.” Per-Olof stand drei Meter neben ihm und antwortete trotzdem in das Gerät, weil die Abfrage die Abfrage war. „Norra två, kom.” „Här.” Sundqvist, von der Ladefläche. Bertil ging die Karte entlang, Stand für Stand, in der Reihenfolge des Morgens. Wer am Platz war, antwortete vom Platz aus. Zwei antworteten aus dem Wald, unterwegs, mit Wind im Mikrofon. Der Pass am Bach kam als Siebter; Lund meldete sich vom Waldrand her, man hörte seine Schritte im Laub, ehe man ihn sah. „Hohlweg, kom.” Der Funk rauschte. Bertil wartete drei Sekunden, das Gerät auf Brusthöhe. Dann fragte er die zwei übrigen Stände ab, bekam zwei Antworten und kam zurück. „Hohlweg, kom.” Das Rauschen wurde nicht anders. Oben in den Kronen ging der Wind jetzt in Stößen, und dazwischen lag der Sammelplatz so still, dass man das kleine rote Licht am Funkgerät zu hören meinte. „Stig”, sagte Bertil. „Kom.” Rost rutschte von der Heckklappe. Sie tat es langsam, und sie hätte nicht sagen können, wofür — nur dass Sitzen nicht mehr das Richtige war. Niemand redete durcheinander. Das war das Erste, was ihr auffiel, und sie schrieb es sich nicht auf, weil sie noch keinen Grund hatte, etwas aufzuschreiben. Keiner sagte, was alle dachten. Per-Olof nahm den Hut wieder ab. Sundqvist stellte sich neben seinen Wagen, als wolle er gleich losfahren, und fuhr nicht los. Ville am Ende der Reihe drehte sich zum ersten Mal seit zehn Minuten vom Wald weg, sah zu Bertil hinüber und gleich wieder zurück. „Sein Wagen”, sagte Lund. Der Pickup stand an vierter Stelle in der Reihe, mit der Ladefläche zum Wald wie alle. Auf der Ladefläche lag eine zusammengefaltete Plane, mit zwei Spanngurten gesichert, die man für den Rückweg nicht brauchen würde, wenn nichts geschossen war. Per-Olof ging hin, legte die Hand ans Führerhaus und sah durch die Scheibe. „Telefon liegt drin”, sagte er. „Ruf trotzdem an”, sagte Bertil. Per-Olof wählte. Durch die Scheibe hörte man es summen, gedämpft und geduldig, sechsmal, dann nichts mehr. Der Wind nahm das Geräusch mit, und danach kam es wieder, weil Per-Olof es noch einmal versuchte, ohne dass jemand es verlangt hätte. Bertil stellte den Funk lauter und legte ihn auf die Karte, zwischen die Steine. „Es ist zwanzig vor drei”, sagte er. „Um drei suchen wir. Wir fangen jetzt an.” ✳ ✳ ✳ Es ging schnell, und es ging ohne ein überflüssiges Wort, und Rost stand daneben und sah zu, wie ein Mann eine Lage ordnete, die er nicht vorgesehen hatte. Bertil teilte Paare ein, wie er am Morgen Stände eingeteilt hatte: Name, Linie, fertig. Die Linien liefen vom Waldweg aus fächerförmig auf den Hohlweg zu, jede zwei Riegel breit, und wo eine Linie einen Graben kreuzte, sagte er es dazu, damit keiner im Sturm in den Graben trat. Die Hundeführer nahm er nach vorn. Ville teilte er dem breiten Rücken von Sundqvist zu, und er tat es beiläufig, im selben Ton wie alles andere, und nur wer hinsah, verstand, dass der Junge damit versorgt war. Man kann Ordnung lernen. Diese nicht. „Abstand Rufweite”, sagte Bertil. „Es wird laut da drin. Wer etwas findet, bleibt stehen und funkt. Keiner läuft allein.” Er sah in die Runde, und sein Blick blieb an keinem hängen, auch an Ville nicht, und gerade daran merkte man, dass er es absichtlich tat. „Kanal drei. Um vier ist es dunkel.” Lund war währenddessen an seinem Wagen. Er zog die Uniformjacke aus dem Kofferraum und über den Pullover. Dann nahm er das zweite Funkgerät aus der Halterung, prüfte den Kanal und hielt es Rost hin. „Kanal drei”, sagte er. Es war keine Frage, und sie machte keine daraus. Der freie Tag hatte um zwanzig nach zwei geendet, sie wusste es seit dem zweiten Rauschen, und Lund wusste, dass sie es wusste. Sie nahm das Gerät. Es war schwerer, als es aussah. Der Clip fasste den Stoff der fremden Jacke. „Askeviken null-drei an Karlstad kommt später”, sagte Lund. „Erst finden wir ihn.” Sie sah zu Bertils Karte hinüber. Der Hohlweg lag als sauber gezeichnete Doppellinie im oberen Drittel, mit einem Kreuz für den Stand, und von der Schranke bis zu dem Kreuz waren es auf der Karte elf Zentimeter. Sie rechnete den Maßstab um. Gut anderthalb Kilometer. Ein Mann mit einem Funkgerät und einem Gewehr, anderthalb Kilometer von zehn anderen Männern entfernt, auf einem Stand, den er seit sechs Jahren hatte und um den ihn alle beneideten, ohne dass einer es aussprach. Männer mit dem besten Stand gehen als Letzte aus dem Wald. Aber sie antworten. Sie nahm den Block aus der Innentasche. Es war der neue, den sie seit August ungenutzt mit sich herumtrug und heute früh aus Gewohnheit eingesteckt hatte, an einem Tag, an dem es nichts aufzuschreiben geben sollte. 1. 14:20 Abfrage Kanal 3, alle Stände. Elf im Wald, zehn zurück oder gemeldet. Hohlweg ohne Antwort. 2. 14:44 Wagen von Stig an der Schranke, Ladefläche vorbereitet, Telefon im Fahrzeug. Zwei Anrufe, keine Annahme. 3. 14:47 Suchketten eingeteilt (B.), Beginn vor der Frist. Sie las die dritte Zeile noch einmal. Dann setzte sie den Stift ab und schrieb nichts dazu, weil es nichts war, nur eine Uhrzeit, die vor einer anderen Uhrzeit lag, und weil Männer, die einen Kameraden suchen, nicht auf Fristen warten müssen. Sie steckte den Block zurück. Norr saß aufrecht im Wagen und sah ihnen durch die Scheibe nach, und zum ersten Mal an diesem Tag bellte er nicht, als Lund ohne ihn ging. ✳ ✳ ✳ Am Waldrand traf sie der erste Regen. Kein Vorhang, nur einzelne Tropfen, schwer wie Kies, die im Laub aufschlugen, hier einer, dort einer. Die Kette schob sich zwischen die Stämme, ein Mann alle dreißig, vierzig Meter, und sofort nahm der Wald ihnen das Licht weg und gab ihnen dafür den Wind: Unten am Boden ging fast nichts, aber oben liefen die Kronen, und das Rauschen von halb zwei war zu einem Ton geworden, unter dem man die eigene Stimme würde heben müssen. Rost ging links von Lund, auf Rufweite, und suchte den Boden ab, wie sie Räume absuchte: in Bahnen, ohne Eile, ohne den Blick springen zu lassen. Laub, Wurzeln, ein alter Zaunrest, an dem der Draht seit Jahrzehnten in die Fichte wuchs. Zweimal blieb weiter rechts jemand kurz hängen, und die Kette hielt den Atem an, und beide Male kam der Ruf: weiter. Irgendwo vor ihnen, gegen den Wind, rief Bertil in Abständen den Namen. „Stig!” Das Wort trug nicht weit. Es klang bei jedem Ruf gleich, gleich laut, gleich ruhig, im Takt der Schritte, und Rost dachte an den Morgen, an die Standvergabe, Name um Name in derselben Ruhe, und daran, dass dieser Mann seit neunzehn Jahren dafür sorgte, dass hier jeder wusste, wo jeder war. Heute wusste es einer nicht. ✳ ✳ ✳ Der Hohlweg kündigte sich an, bevor man ihn sah: Der Boden hob sich zu zwei flachen Rücken, und dazwischen lief der alte Weg, ausgefahren von Fuhrwerken, die es seit achtzig Jahren nicht mehr gab, mit Farn an den Flanken, den der Oktober braun gelegt hatte. Ein guter Stand, das sah sogar sie. Wer hier saß, hatte den Weg unter sich und beide Rücken im Blick, und alles, was den Hang wechseln wollte, musste ihm durchs Bild. Der Sitz lehnte am östlichen Rücken, eine Leiter mit Kanzel, das Holz silbern vom Wetter, die Sprossen erneuert, zwei davon heller als die übrigen. Er war leer. Die Kette hielt, ohne dass jemand es befahl. Bertil ging als Erster hin, den Funk in der Hand, und blieb zwei Meter vor der Leiter im Farn stehen, und einen Atemzug lang tat er nichts, als hinaufzusehen, wie man zu einem Fenster hinaufsieht, hinter dem kein Licht brennt. „Stig!” Der Ruf lief den Hohlweg hinunter und kam nicht zurück. Der Regen war dichter geworden, kein Kies mehr, ein gleichmäßiges Arbeiten im Laub, und in den Kronen über den beiden Rücken hatte der Wind jetzt diesen tieferen Ton, von dem am Morgen die Rede gewesen war, ohne dass jemand ihn beschrieben hätte. Lund trat neben Bertil und sah sich den Boden an, so weit das Licht es noch zuließ. Dann sah er auf die Uhr. „Halb vier”, sagte er. „Wir haben eine halbe Stunde, eher weniger.” „Er ist nicht hier gewesen”, sagte Per-Olof. Er sagte es leise, mehr zu der Leiter als zu den Männern, und keiner fragte, woran er das festmachte, weil keiner die Zeit hatte, es zu prüfen, und weil man Sätze dieser Art in diesem Licht nicht prüft, sondern mitnimmt. Rost nahm ihn mit. „In Linien den Hang hinunter”, sagte Lund. „Auf die Senke zu, dann haben wir den Bach als Grenze. Rufweite halbieren, es wird laut.” Bertil sah ihn an, einen Moment nur, und nickte dann, und die Kette drehte langsam nach Süden. Ville ging jetzt näher bei Sundqvist als vorher. Leitner reihte sich am anderen Ende ein, zwei Plätze neben Petersen, und Rost registrierte im Vorbeigehen, dass der Deutsche das Absuchen des Bodens nicht lernen musste; er ging es in Bahnen, wie sie selbst. Sie zog im Gehen den Block heraus und schrieb im Regen, das Papier wellte sich unter dem Stift. 4. 15:31 Stand Hohlweg leer, keine Ausrüstung sichtbar. P.-O.: „Er ist nicht hier gewesen.” Nicht geprüft. 5. Suche verlagert Richtung Senke, Lichtende ca. 16:00. Der Hang nahm sie auf, Stamm um Stamm, und mit jedem Meter abwärts wurde der Wind über ihnen lauter und der Boden unter ihnen dunkler, und irgendwo hinter dem Grau war die Senke, in der am Morgen ein Sechzehnjähriger gestanden hatte, und der Bach, und dazwischen lag der ganze restliche Wald. Sie zog den Reißverschluss bis unters Kinn. Die Jacke war noch immer zu groß. Sie fiel ihr nicht mehr auf.

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Wer wissen will, wann der nächste Pegel fällt, bekommt es zuerst von mir. Der Värmland-Rapport erscheint selten und nur, wenn es etwas zu sagen gibt — einen Erscheinungstermin, eine Szene, die es nicht ins Buch geschafft hat, eine Karte des Nordufers.

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