Buchcover „Tauwasser“ von Kathrin Hamann: Eine Frau kniet am winterlichen Seeufer; vor ihr liegt ein Gegenstand im aufbrechenden Eis, dahinter ein verschneites Dorf.

Band 2 · Frühjahr

TAUWASSER

Ein Värmland-Krimi · Schwedenkrimi von Kathrin Hamann

erschienen · 18. September 2026 · 4,99 € (E-Book) · 15,99 € (Taschenbuch)

Worum es geht

Fünf Monate lang hat niemand Marianne Leitner vermisst – nicht der Ort, nicht ihr Sohn in München, nicht das Amt, das sie in seinen Listen führt. Als man sie findet, gibt es nichts, worauf sich ein Verhör bauen ließe: keine Zeugen, keine Spuren, ein Dorf, das den Winter über nichts gesehen haben will, und einen Sohn, den die Nachricht erst beim dritten Anruf erreicht – in einem Münchner Konferenzraum. Helena Rost, achtzig Kilometer vom Präsidium in Karlstad entfernt, und Henrik Lund, seit über dreißig Jahren Polizist in Askeviken, halten sich an das, was übrig ist: die Fuhrenhefte eines Räumdienstfahrers, einen Eintrag im Melderegister, eine Inventarliste, in der jemand eine zweite Spalte angelegt hat. Papiere von Menschen, die alles aufschreiben, weil sie sonst nichts festhalten können. Was dieses Buch anders macht: Skandinavische Krimis lösen ihre Fälle über Verhöre, Zufälle und Bauchgefühl. Dieser löst ihn über Aktenführung. Es gibt hier kein Geständnis, das am Ende alles erklärt, keine Verfolgungsjagd und keinen Keller. Wer hier lügt, lügt gegen Listen – und Listen vergessen nichts. Die Spannung entsteht aus Beweisführung – und aus der Frage, wie lange ein Ort ruhig weiterleben kann mit dem, was er nicht wissen will. Eine Beweiskette, bei der Sie mitrechnen können. Die Fuhrenliste eines Räumdienstfahrers wird zum Kalender der Tatnacht, ein Inventarblatt mit einer zweiten Spalte zum Motiv. Jedes Blatt, das Rost und Lund in die Hand bekommen, bekommen auch Sie. Die Auflösung wird hergeleitet, nicht behauptet, und nichts, was Sie dafür brauchen, wird Ihnen vorenthalten. Spannung ohne ausgemalte Gewalt. Die Tat liegt fünf Monate zurück, und das Buch holt sie nicht ins Bild. Bedrohlich ist nicht, was in jener Nacht geschah, sondern was danach unterblieb: kein Anruf, keine Meldung, kein Fehlen. Ein Dorf kann sehr leise sein, wenn es will. Ein Ermittler-Duo, das sich siezt – bis zur letzten Seite. Rost kommt von außen und traut dem, was man ihr erzählt, nur so weit, wie es sich belegen lässt. Lund kennt jede Zufahrt und jeden Namen. Zwei Arten, denselben Ort zu lesen – und keine von beiden reicht allein. Värmland abseits der Postkarte. Wald, Seen, ein Sägewerk, ein Dorf, das sich selbst genügt – und Regionalgeschichte, die im Vorbeigehen erzählt wird und im Kopf bleibt. Zwischen den Kapiteln kommt die Tote selbst zu Wort: kurze Kapitel in Mariannes Stimme. Für wen dieses Buch ist: für Leserinnen und Leser, die skandinavische Krimis seit den Neunzigern lesen und jedes Buch weglegen, in dem Gewalt ausgemalt wird. Für alle, die mitdenken wollen, statt überwältigt zu werden. Wer Tempo und Blut braucht, wird hier nicht bedient. Wer Genauigkeit sucht, schon. Tauwasser ist der zweite Fall für Helena Rost und Henrik Lund nach Eisgrenze. Die Värmland-Krimis folgen den Jahreszeiten; jeder Band erzählt einen abgeschlossenen Fall und lässt sich eigenständig lesen – wer Askeviken schon kennt, kehrt zurück, wer nicht, kommt an.

Aus der Leseprobe

TAUWASSER Ein Värmland-Krimi Vorwort Dieses Buch hält dir nichts vor. Alles, woraus der Fall gelöst wird, steht im Text, bevor er gelöst ist. Keine Zeugin, die im vorletzten Kapitel auftaucht und sich erinnert. Kein Labor, das ein Ergebnis liefert, das vorher niemand erwähnt hat. Was die Ermittler wissen, weißt du zur selben Zeit. Wenn du am Ende sagst, das hätte ich früher sehen können, dann stimmt das, und es war so gebaut. Das Material ist unspektakulär. Ein Fuhrenheft mit vier Spalten, in dem ein Räumdienstfahrer seit achtzehn Jahren jede Fahrt einträgt. Das Heft einer Bäckerin: angesetzt, verkauft, übrig. Eine Liste im Gemeindeamt, auf der steht, wer sich um wen kümmert. Kontoauszüge. Ein Inventarverzeichnis. Ein Werbekalender mit Strichen an den Mittwochen. Menschen führen solche Hefte nicht, um Verbrechen aufzuklären. Sie führen sie, weil ihnen sonst der Tag durch die Finger geht. Genau deshalb sind sie brauchbar. Ein Heft, das ohne Absicht geführt wird, lügt nicht mit — es hat keinen Grund dazu. Und wenn in achtzehn Jahren eine einzige Zelle leer bleibt, dann ist diese Lücke eine Auskunft. …

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Details

Reihe
Ein Värmland-Krimi, Band 2
Jahreszeit
Frühjahr
Erscheinungsdatum
18. September 2026
Seiten
386
ISBN
978-3-96868-067-5
Verlag
Dr. Hamann Verlag, Gilching
Sprache
Deutsch
Preis
4,99 € (E-Book) · 15,99 € (Taschenbuch)

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